Wienerisch-klassischer Ohrenschmaus

Thun Der Konzertchor Cantus Regio sorgte mit der Berner Erstaufführung von Louis Théodore Gouvys Requiem in Thun für ein eindrucksvolles Hörerlebnis.


Der Konzertchor Cantus Regio, das Opus-Orchester Bern und das Solistenquartett boten in der Thuner Stadtkirche eine beachtliche Leistung.

Der Konzertchor Cantus Regio, das Opus-Orchester Bern und das Solistenquartett boten in der Thuner Stadtkirche eine beachtliche Leistung. Bild: Heidy Mumenthaler

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Übers Wochenende brachte der Konzertchor Cantus Regio in der Französischen Kirche Bern und in der gut besetzten Thuner Stadtkirche das Requiem von Louis Théodore Gouvy zur schweizerischen Mittelland-Erstaufführung.

Dirigent Peter Loosli stellte sich, seinem Chor, dem Opus-Orchester Bern und dem Solistenquartett (mit der Berner Sopranistin Rebekka Maeder, der in Interlaken aufgewachsenen Mezzosopranistin Judith Lüpold, dem Zuger Tenor Simon Witzig und dem Bassbariton René Perler) die Aufgabe, ein unbekanntes frühromantisches Werk von noch unbekannteren Komponisten auszugraben und neu zu entdecken.

Es stammt aus dem gleichen Jahr wie die wohlbekannte Missa da Requiem von Giuseppe Verdi.

Viel Vertrautes

In der eindrücklichen Aufführung in Thun konnte man heraushören, wie prägend Cherubini mit seinem Requiem in Frankreich war und wie Opernkomponisten wie Gounod, Rossini, Cherubini und Verdi Gouvy den Weg zeigten. Der gebürtige Lothringer musste damit leben, weder als Franzose anerkannt zu werden noch als Deutscher zu gelten.

Zum raschen Vergessen Gouvys trugen wohl der wachsende Nationalismus beiderseits der Grenze und der Aufbruch in die musikalische Moderne bei. Seine Harmonik erinnerte an Schumann, Mendelssohn oder Brahms und viele Begleitfiguren des Orchesters an Mozart.

Effekte wie der Einsatz von Dämpfern in den Streichern und der volle Blechbläsersatz präsentierten sich spätromantisch. Dazu gesellten sich Ostinato-Motive oder erregt auffahrende Vorschlagsfiguren in den Streichern, die an Opernkomponisten aus Gouvys Zeit erinnerten.

Wirkungsvolle Einfälle

Speziell wirkten die willkürlichen Unterteilungen in Abschnitte mit überraschenden Überleitungen, die freie Wahl der lateinischen Wortbetonungen und über längere schematische Ostinati in der Begleitung.

Gerade dieses Eigensinnige sorgte dafür, viele Schönheiten und wirkungsvolle Einfälle zu entdecken, die es lohnten, sich intensiver mit dem ergreifend dargebotenen Werk zu beschäftigen. Geheimnisvolle Paukenwirbel, tiefe Celli, Holzbläser, Hörner drückten entsprechende Stimmungen aus.

Speziell wirkte im «Agnus Dei» das von Klarinetten und Fagotten begleitete Solistenquartett. Dieser ausdrucksvolle Gesang mündete in den Choreinsatz. Am Ende schloss sich der Kreis vollends: Gouvys Requiem klang bei einstimmig geflüstertem «cum sanctis in aeternum, quia pius es», gleich aus wie es angefangen hatte – mit dem Cellomotiv des In­troitus.

Ausgewogen und geschmeidig

Ebenso sicher in Ausdruck und Intonation, transparent in polyfonen Passagen und in beachtlicher Diktion überzeugte Cantus Regio zum Konzertauftakt in ­Joseph Haydns «Missa in tempore belli» (Messe zu Kriegszeiten). Den Namen gab Haydn der Messe, um an die Bedrohung Wiens durch Napoleons Truppen zu erinnern.

Exakte Einsätze und Endungen, verständliche Aussprache des lateinischen Textes liessen aufhorchen. Peter Loosli glückte mit feinfühligem, wachsamem Dirigat feine Details zwischen Orchester, Chor und Solisten in unterschied­lichen Ausdrucksmitteln auszu­schöpfen.

Die Pauken wurden im «Agnus Dei» zusammen mit prägnanten Bläserfanfaren prominent eingesetzt. In festlichem Glanz strahlte das Gloria, umrahmt vom ausdrucksstarken «Qui tollis peccata mundi». Inbrünstig intonierten Solocello und Solobass die persönliche Bitte innerhalb des hymnischen Lobes.

Eindrucksvoll wirkten das lebhafte «Et resurrexit» und die Fuge über «Et vitam venturi saeculi» im Credo, in dem Haydns Gegenüberstellung von Chor und Solistenquartett durchblickte.

Lyrische Grundstimmung herrschte im «Benedictus». Einen beglückenden Abschluss bildete das triumphierende «Dona nobis pacem».

(Thuner Tagblatt)

(Erstellt: 23.11.2015, 19:15 Uhr)

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