Stimmgewaltige Passion erfüllte Stadtkirche

Mit einer erhabenen Inszenierung der Lukaspassion von Georg Philipp Telemann brillierten der Chor Cantus ­Regio Thun und das Opus-Orchester Bern.

Volle Ränge in der Stadtkirche: Der Chor Cantus Regio Thun und das Opus-Orchester Bern vermochten das Publikum zu fesseln.

Volle Ränge in der Stadtkirche: Der Chor Cantus Regio Thun und das Opus-Orchester Bern vermochten das Publikum zu fesseln. Bild: Raffael Thielmann

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Wenige Plätze blieben frei in der Stadtkirche am Sonntagnach­mittag zur Lukaspassion. Rund 120 Mitwirkende meisterten das zweistündige Konzert, das einer geistlichen Oper nahekommt, mit Bravour. Die rund 80 Sängerinnen und Sänger des Chors Cantus Regio unter der Leitung von Peter Loosli positionierten sich je zur Hälfte links und rechts des Publikums im Kirchenraum.

So mancher bekam Hühnerhaut beim stimmgewaltigen Auftakt der beiden ersten exzellent vorgetragenen Choräle. Es war fast schade, dass der Chor bald hinter dem Orchester Platz nahm. Nicht hoch genug kann bewertet werden, dass der Chor nicht geordnet nach Stimmen intonierte. Auf den Nachbar zu lauschen und zu vertrauen, war also zwecklos, ja gefährlich. Eine Chorkunst, die jeder Sängerin und jedem Sänger Virtuosität abverlangt.

Starker Koloratursopran

Ähnlich wie bei Bachs Passionen entsteht die Spannung bei Telemann durch den Wechsel von rezitativischem Evangelienbericht, Arien, Volkschören und Chorälen. Mit ausdrucksstarkem Koloratursopran beeindruckte Iris Eggler mal zärtlich mit Arien («Wie sich ein winz’ges Lüftchen regt»), oder mal zornig («Menschenhass vermehret sich»).

Michael Feyfars Tenor als Evangelist geleitete vortrefflich durch die Handlung. Einprägend und intensiv erreichte Erwin Hurnis Bassstimme als Jesus die Ohren des Publikums.

Eine spezielle Klangfarbe besitzt der Tenor von Niklaus Loosli, der sich in den Arien wohltuend abhob. Zusammen mit dem Opus-Orchester unter der Leitung von Janka Ryf und Jürg Brunner am Cembalo erstrahlte die Passion wie eine Einheit. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem ­Applaus. Zu Telemanns Aufgaben als Musikdirektor in Hamburg gehörte es, jedes Jahr für die Fastenzeit eine Passion zu komponieren.

Auf diese Weise entstanden zwischen 1721 und 1767 sage und schreibe 46 Passionen nach den vier Evangelien, von denen 26 erhalten sind. Wer von Telemann nicht genug bekommen kann: In diesem Jahr wird in der Hansestadt Hamburg ein Telemann-Jubiläumsjahr mit einer Fülle an Veranstaltungen und Konzerten zelebriert. Der 25. Juni 2017 ist der Tag der 250. Wiederkehr des Todestages von Georg Philipp Telemann.

www.telemann2017.eu

Korrigendum

Im Bericht über das Konzert des Chors Cantus Regio und des Opus Orchesters waren zwei Namen falsch. Der auf allen Drucksachen angekündigte Tenor Jan Martin Mächler konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht auftreten. Als Ersatz sprang Michael Feyfar ein. Zudem wurde Erwin Hurni (Bass) fälschlicherweise als Erwin Hurli bezeichnet. Wir bitten um Entschuldigung, der Text wurde angepasst. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.03.2017, 11:37 Uhr

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    • Kurt Fröhlich

      Der Tenor hiess Michael Feyfar und ist für den erkrankten Jan M. Mächler eingesprungen. Der Bassist heisst Hurni, nicht Hurli. Der Tenor Niklaus Loosli sang eine Arie, nicht Arien. Waren sie überhaupt am Konzert?

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